Ratgeber

Was ist Grid-Edge-Orchestrierung?

Was der «Grid Edge» ist, was Flexibilität bedeutet und warum die Koordination vieler kleiner Geräte jetzt wichtig wird.

kuafu · Aktualisiert am 17. Oktober 2026

Grid-Edge-Orchestrierung ist die laufende, automatische Koordination vieler kleiner Energieanlagen am Ende des Stromnetzes, zum Beispiel Wärmepumpen, Batteriespeicher in Gebäuden, Photovoltaikanlagen und Elektroautos. Das Ziel: ihre gemeinsame Flexibilität nutzen, um Netz und Markt zu unterstützen. Die Eigentümer behalten dabei ihren Komfort und ihre eigenen Prioritäten.

Was ist der «Grid Edge»?

Der Grid Edge ist der Teil des Stromsystems, wo das Netz auf die Kunden trifft. Dazu gehören das Niederspannungs-Verteilnetz und alles, was hinter dem Zähler angeschlossen ist: Solaranlagen auf dem Dach, Wärmepumpen, Heim- und Gebäudespeicher, Ladestationen, intelligente Zähler und Gebäudesteuerungen.

Ein Bericht des World Economic Forum und von Bain & Company aus dem Jahr 2017 beschrieb Grid-Edge-Technologien als «smart and connected technologies at the end of the electric power grid», also intelligente und vernetzte Technologien am Ende des Stromnetzes. Derselbe Bericht nannte drei Trends als Treiber: Elektrifizierung, Dezentralisierung und Digitalisierung.

Was ist Flexibilität?

Flexibilität ist die Fähigkeit, Stromverbrauch, Speicherung oder Einspeisung auf ein Signal hin zu verschieben, zu senken oder zu erhöhen. Eine Wärmepumpe kann ein Gebäude eine Stunde früher vorheizen. Ein Batteriespeicher kann am Mittag statt am Abend laden. Ein Elektroauto kann während einer lokalen Lastspitze langsamer laden.

Das Schweizer Recht gibt diesem Begriff eine gesetzliche Grundlage. Seit dem 1. Januar 2026 legt Artikel 17c des Stromversorgungsgesetzes (StromVG) fest: Endverbraucher, Erzeuger und Speicherbetreiber sind die Flexibilitätsinhaber. Wer diese Flexibilität nutzen will, braucht dafür einen Vertrag.

Flexibilität kann verschiedenen Zwecken dienen. Swissgrid unterscheidet drei: marktdienliche Nutzung (zum Beispiel Energiehandel), netzdienliche Nutzung (zum Beispiel Entlastung eines lokalen Verteilnetzes) und systemdienliche Nutzung (zum Beispiel Ausgleich des ganzen Systems). Diese Nutzungen können sich konkurrenzieren. Darum braucht es Koordination.

Warum ist das jetzt wichtig?

Mehr Solarstrom am Rand des Netzes

Die Schweiz baut jedes Jahr viel Solarleistung zu. Gemäss der Statistik Sonnenenergie des Bundes erreichte die installierte Photovoltaikleistung Ende 2025 rund 9'499 MW. Photovoltaik deckte 2025 13,71 % des Schweizer Endverbrauchs an Elektrizität. Der grösste Teil dieser Leistung liegt auf Dächern und speist in Niederspannungsnetze ein. Diese Netze wurden nicht für grosse Einspeisung am Mittag gebaut.

Elektrifizierung von Wärme und Mobilität

Wärmepumpen ersetzen Öl- und Gasheizungen, und Elektroautos ersetzen Verbrennerautos. Beide bringen neue elektrische Last in Wohnungen und Gebäude. Beide bringen aber auch Flexibilität: Gebäude speichern Wärme, und die meisten Autos stehen viele Stunden still.

Mehr Speicher hinter dem Zähler

Die installierte elektrische Speicherkapazität in der Schweiz (meist Lithium-Ionen) wuchs von rund 0,90 GWh Ende 2024 auf rund 1,38 GWh Ende 2025, in rund 93'400 Anlagen.

Netzausbau braucht Zeit

Gemäss Swissgrid dauern Netzprojekte von der Planung bis zur Fertigstellung oft 15 Jahre oder länger. Die bestehende Netzkapazität besser zu nutzen, ist darum ein wichtiger erster Schritt.

Was unterscheidet Orchestrierung von klassischer Laststeuerung?

Klassische Laststeuerung (Demand Response) bedeutet oft wenige grosse Industrielasten oder ein Rundsteuersignal. Dieses schaltet Gruppen von Boilern oder Wärmepumpen zu festen Zeiten ein oder aus. Orchestrierung ist feiner und läuft ohne Unterbruch.

AspektKlassische LaststeuerungGrid-Edge-Orchestrierung
Typische AnlagenGrosse Industrielasten; Gruppen von Boilern oder WärmepumpenViele kleine, gemischte Anlagen: Wärmepumpen, Batteriespeicher, Photovoltaik, Ladestationen
Art der SteuerungEreignisbasiert oder feste Fahrpläne; Ein-/Aus-SignaleLaufende, prädiktive Regelung auf Basis von Prognosen und Live-Daten
DatenWenig oder keine Rückmeldung vom GerätEchtzeit-Überwachung jeder Anlage und ihrer Grenzen
Komfort und Bedürfnisse der EigentümerWährend eines Ereignisses oft nicht berücksichtigtTeil der Optimierung (zum Beispiel Raumtemperatur, Abfahrtszeit des Elektroautos)
ZweckMeist ein Zweck, zum Beispiel Reduktion von LastspitzenMehrere Zwecke, koordiniert: lokale Netzbedürfnisse, Bilanzausgleich, Eigenverbrauch
Sicht für den NetzbetreiberBegrenztPrognosen, wie viel Flexibilität wo und wann verfügbar ist

Wie funktioniert Orchestrierung in der Praxis?

  1. Verbinden. Die Plattform verbindet sich direkt mit den Geräten oder über die Energiemanagementsysteme (EMS), die bereits in den Gebäuden laufen.
  2. Überwachen. Sie sammelt Echtzeitdaten zu Leistung, Ladezustand, Temperaturen und Gerätestatus.
  3. Prognostizieren. Sie sagt Last, Solarproduktion und die Flexibilität voraus, die jede Anlage und jede Gruppe von Anlagen bieten kann.
  4. Optimieren. Sie berechnet Fahrpläne, die die Grenzen der Eigentümer einhalten und Netz- und Marktsignale verbinden.
  5. Steuern und prüfen. Sie sendet Sollwerte, prüft, ob die Geräte reagieren, und meldet, was geliefert wurde.

Das Wichtigste in Kürze

  • Installierte Photovoltaikleistung in der Schweiz Ende 2025: rund 9'499 MW in 338'270 netzgekoppelten Anlagen (BFE, Statistik Sonnenenergie 2025).
  • Anteil der Photovoltaik am Schweizer Endverbrauch an Elektrizität 2025: 13,71 % (7'948 GWh von 57'970 GWh).
  • Installierte elektrische Speicherkapazität in der Schweiz Ende 2025: rund 1,38 GWh, 54 % mehr als 2024.
  • Seit dem 1. Januar 2026 sind gemäss Art. 17c StromVG Endverbraucher, Erzeuger und Speicherbetreiber Flexibilitätsinhaber; die Nutzung der Flexibilität durch andere braucht einen Vertrag.
  • Swissgrid: Netzprojekte dauern von der Planung bis zur Fertigstellung oft 15 Jahre oder länger.

Wo kuafu hilft

kuafu ist eine KI-gestützte Plattform für Grid-Edge-Orchestrierung, angeboten als Dienstleistung. Sie verbindet Gebäudeeigentümer, Anbieter von Energiemanagementsystemen (EMS) und Netzbetreiber. kuafu überwacht und steuert lokale Energieanlagen wie Wärmepumpen, Batteriespeicher in Gebäuden und Elektroautos, mit prädiktiver Regelung und Echtzeit-Überwachung. Netzbetreiber erhalten Flexibilitätsprognosen und Angaben zur Verfügbarkeit von Dienstleistungen, für Engpassmanagement und Bilanzausgleich.

Quellen

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